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Andariels Tagebuch

Tag 1 des dritten Zeitalters

Mutter ist außer sich. Entgegen ihrer Warnung hat sich Vater auf einen Kampf gegen die Wächter und Nostrok höchstselbst eingelassen und ist nun gefangen. Eingeschlossen unter der Kuppel von Fort Hope tief im Herzen Aquerons wird er sein Dasein fristen, bis die Welt zerbricht.
Die Brut meines Vaters und seiner Brüder ist zerschlagen und verteilt sich im Wind. Wenige sind nach Navidea zurückgekehrt, doch wir werden neue Kreaturen schaffen, stärkere, bessere, und Vater befreien. Sollten auch weitere Zeitalter vergehen. Wir werden dich nicht vergessen, Vater!


Tag 24-I-1-III

Mutter brütet über einem Plan, Vater zu befreien. Doch sie lässt mich nicht mitwirken. Sie gibt M. die Schuld, weil er Vater nicht aufgehalten oder unterstützt hat. Es war abzusehen, dass die Wächter etwas ausersonnen hatten. Und doch haben sie Vater in die Falle locken können.
Ich will diesen Nostrok und seine Wächter zerdrücken. Doch dazu brauche ich Verbündete, die ihn und seine weichlichen Schergen schwächen, zermürben und aufreiben. So wie die Horden der großen drei Brüder in immer neuen Wellen gegen die Wächtergestade brandeten, so will ich mit einer eigenen Streitmacht ihre Seelen Awarnors zum Erzittern bringen, ihre Brücken und Mauern schleifen und ihren Kindern die Väter nehmen. Doch das muss schlau angegangen werden. Erst muss eine Armee erwachsen, die mir bedingungslos folgt. Doch wie stelle ich das an? Vaters Truppen so überhaupt zurückgekehrt folgen nun seinen Brüdern. Mutter wird auch keine große Hilfe sein, sie spinnt den ganzen Tag wirre Pläne durch die Flure, doch ich zweifele daran, dass sie etwas Umsetzbares ersinnt. Ich werde selbst handeln müssen.


Tag 5-II-1-III

Der Plan ist genial einfach. Man nehme ein bereitwilliges Volk, gebe ihm einen Gott und ein Ziel und lasse es um die Gunst dieses Gottes streiten. Die Aqueroner werde ich von ihren Drachen nicht abkehren können, die Wanagarder sind sich zutiefst uneins und werden nicht gemeinsam als eine Macht kämpfen. Die Gulonischen Bauern jedoch sind so unzufrieden mit ihrem kargen Leben, dass es ein leichtes wird, ihnen einzureden, dass ihr Adel und die umliegenden, viel fruchtbareren Lande Schuld an ihrem harten Leben sind.
Vater sagte immer, wenn ich ein Junge geworden wäre, hätte er mich Dâr genannt. Nun bin ich „die die nicht Dâr ist“. Doch Vater soll seinen Dâr bekommen. Er wird Gulonia einen und mir meine Streitmacht verschaffen, um Vaters Feinde zu überrennen und am Ende Vater aus seinem Gefängnis zu befreien.


Tag 18-X-2-III

Viel zu leicht, diese dummen Hunde. Sie sind nicht nur gleich auf den großen Dâr angesprungen, sie haben mich als seine Prophetin akzeptiert und tragen freudestrahlend die schwarze Sonne auf ihren Wappenröcken. Dabei hatte ich die Kette von Mutter nur zufällig umgelegt. Nun wird sie als Symbol Dârs dienen. So töricht, diese Würmer.
Ich habe mir ein kleines Lehnsherrengut am Rande der gulonischen Steppe auserwählt, um mit meinem Plan zu starten. Ich faselte etwas von Wärme, Fruchtbarkeit, Segen und besserem Leben und schon war ich umringt von Bauern, die mehr hören wollten. Ich habe nicht einmal Magie einsetzen müssen. Dabei hatte ich mit so schöne Bannzauber überlegt. Na ja, um so besser, das kann mir nur zugutekommen, wenn ich mich noch als mächtige Dâr-Prophetin beweisen muss.
Die Bauern ließen sich von mir erklären, wer schuld an ihrem Elend ist und ehe ich mich versah, hatten sie einen Aufstand gegen ihren Herrn angezettelt. Und nun schwelt dieses Flämmchen in meinen tapferen Bauern und sie wollen mehr tun, weitergehen und andere Bauern befreien. Viel werde ich nicht mehr unternehmen müssen.


Tag 3-VIII-9-III

Ist es nicht ein Hohn, dass die Erbauerschöpfung Mensch den Untergang des letzten Erbauers auf Awarnor herbeiführen wird? Das Großreich und sein kaiserlicher Magus werden schon bald unter den Stiefelschlägen meiner Soldaten erzittern. Der Adel flieht aus Gulonia und macht Platz für meine Herrschaft. Sie nennen mich Priesterkaiserin, preisen meine Verbindung zu Dâr und tragen mich auf Händen. Meine Priester und Generäle haben ihre eigenen Pläne zur Unterjochung der umliegenden Länder, ich brauche im Hintergrund nur die Fäden zusammenzuhalten und die Siege als Dârs Willen auszulegen. Die wenigen Niederlagen sind Dârs Prüfungen und verstärken nur den Drang meiner Soldaten, Dâr ihre Stärke und Treue zu beweisen.
Die ersten Rufe werden auch schon laut nach einem neuen Namen für dieses dârgefällige Gulonia. Dieser erinnert die Truppen und Bauern zu sehr an das ausgemerzte Aristokratenregime. Ich werde die Bauern einen Namen wählen, das wird ihnen das Gefühl vermitteln, Teil des neuen Landes zu sein.


Tag 10-IV-15-III

Die Gulon Dâr verbreiten Schrecken in Tannenheim und Falkenfels. Das Großreich schickt bereits Truppen zum Schutz der eigenen Grenze. Nostrok wird verlieren ehe er begreift, wem er gegenübersteht. Nicht die Grenze wird von uns bedroht, sondern ihr gesamtes Land.
Ob die Erbauer gemerkt haben, dass ich ihr Portalnetzwerk wiedererweckt habe? Nein, unmöglich, dann hätten sie wohl schon eingegriffen und mich aufgehalten. Das können sie unmöglich erlauben. Es ist nun so viel einfacher, meine Truppen in alle Winkel Awarnors zu schicken und sie mit Proviant und Truppen zu versorgen. Ja, es geht auch mal ein Trupp verloren, doch das sind vertretbare Bauernopfer, im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht gibt es ein Portal, das meine Truppen direkt in den kaiserlichen Palast oder noch besser in Nostroks Schlafgemach hineinführt. Höchstpersönlich würde ich Vaters rostigen Dolch in Nostroks Brust rammen, auf dass er jämmerlich daran verrecke, und dabei laut lachen.


Tag 31-IX-21-III

Lachhaft, wie sich diese Menschlein an ihre winzigen Leben klammern.
Und überallhin müssen sie ihren Nachwuchs tragen. Es war mir solch ein Genuss zu sehen wie des Kaisers Sohn in seinen Armen starb. Das hätte Vater gefallen. In seinem Heer streitet auch ein Recke, der ganz ansehnlich ist für einen Menschen. Irgendein Grafenbüblein. Mal sehen, was er auf dem Schlachtfeld zu leisten vermag.

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